Sein Duktus und die Strahlkraft seiner Werke fesseln mich immer noch

Sohn von Lambert Maria Wintersberger zusammen mit Konstanze Wolter

Jimy Wintersberger, ältester Sohn von Lambert Maria Wintersberger, im Gespräch mit Konstanze Wolter

  • Hallo Herr Wintersberger, wir sind hier im Atelierhaus Ihres Vaters in Frankreich und entdecken den Nachlass. Wie wächst man als Sohn eines Künstlers auf?

Es war sehr spannend und eindrucksvoll, im Umfeld eines Künstlers aufzuwachsen und die inspirierende und freigeistige Kunstwelt zu erleben. Zudem hatte ich auch, wenn auch selten, einen Einblick in die Schaffensphasen meines Vaters, die sich durch die verschiedensten Einflüsse und Themenschwerpunkte immer wieder veränderten. Da sich meine Eltern sehr früh getrennt haben, da war ich 3 Jahre alt, war der Kontakt zu meinem Vater oftmals sehr sporadisch. Es gab auch mal Jahre, in denen Funkstille herrschte, da sich die persönliche Beziehung sehr schwierig gestaltete, gerade auch im Zusammenhang mit seiner letzten Frau, die ja einige Zeit vor ihm verstorben ist. Durch die langjährige Tätigkeit meiner Mutter als Galeristin, ist das Thema Kunst aber nie gänzlich aus meinem Blickfeld geraten. Ich habe in der Beziehung zu meinem Vater besonders die letzten Jahre genutzt, um wieder eine stetige Verbindung aufzubauen, und ihn in seinen sehr einsamen letzten Jahren zu unterstützen. Das ist mir gelungen und ich bin sehr dankbar für diese Zeit.

  • Wie erlebten Sie selbst das Künstlerdasein Ihres Vaters?

Ich habe ihn immer als sehr passionierten und von seiner Arbeit getriebenen Maler und Künstler erlebt, der seine Gedanken und Eindrücke in eindrucksvoller und einzigartiger Weise auf die Leinwand gebracht hat. Auch seine psychischen Probleme hat er so verarbeitet, hierbei sind für meine Begriffe auch unglaublich starke, aber auch schwierige Werke entstanden. Mein Vater hat immer sehr zurückgezogen gelebt und die Öffentlichkeit gemieden, was für seinen Bekanntheitsgrad nicht gerade förderlich war. Mich hat dabei immer fasziniert, dass dadurch einfach nur die Qualität seiner Werke im Vordergrund stand, die viele Menschen und Fachleute überzeugt hat, mit ihm zusammen zu arbeiten, und ihn in seiner sehr erfolgreichen Künstlerlaufbahn zu begleiten und zu unterstützen.

  • Welchen Zugang haben Sie zu seiner Kunst? Hat sich das mit seinem Tod verändert?

Ich stehe voll und ganz hinter den Arbeiten und dem Lebenswerk meines Vaters. Sein Duktus und die Strahlkraft seiner Werke fesseln mich immer noch. Nach seinem Tod hat für mich allerdings auch eine neue Ära begonnen, nun setze ich mich u. a. auch mit strategischen und finanziellen Aspekten auseinander. Die  Sichtweise auf seine Kunst hat sich also geweitet, und ich sehe viele Dinge in einem anderen Zusammenhang. Die tiefe Verbundenheit zu seiner Kunst wird aber immer bleiben.

 

  • Ihr Vater ist 2013 verstorben. Seitdem ist es an Ihnen und Ihren Brüdern, das künstlerische Erbe Ihres Vaters zu bewahren. Was ist dabei die größte Herausforderung?

Mit seinem Tod hat sich meine Perspektive wie auch meine Position gegenüber seinem künstlerischen Lebenswerk stark verändert. Ich bin nun nicht mehr nur Sohn und Beobachter, sondern in einer Weise Repräsentant und trage mit meinen Brüdern die hohe Verantwortung, das künstlerische Erbe unseres Vaters zu erhalten und weiterzuführen. Wir wurden nicht auf diese Aufgabe vorbereitet und müssen dieses nun als lebenslangen Prozess betrachten und annehmen, was für mich eine der größten Herausforderungen darstellt. Dieses Gesamtprojekt bringt sicherlich viele schöne und spannende Aspekte mit sich, kann aber auch Kompromisse und zuweilen harte Einschnitte bedeuten, was die Verwirklichung des eigenen Lebens anbelangt.

  • Aktuell werden ja viele Kunstnachlässe von Sammlern und Künstlern vererbt. Was ist Ihr wichtigster Ratschlag für Erben?

Mein Appell geht vor allem an die Künstler selber, ihren Kunstnachlass selbst so gut es geht vorzubereiten, um ihren Nachkommen, die unbedingt mit einbezogen werden sollten, einiges an Last zu ersparen. Zudem besteht für die Künstler hierbei die Chance, die Dinge auch nach eigenen Vorstellungen und Wünschen zu lenken und in die Wege zu leiten. Es ist schließlich ihr Lebenswerk und liegt somit auch in ihrer Verantwortung. Innerhalb dieser Auseinandersetzung sollte dann auch klar werden, welche Ausmaße solch ein Projekt annehmen kann. Den Erben kann ich nur raten, sich im Vorfeld intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen, um entscheiden zu können, ob man solch eine Aufgabe bewältigen kann und möchte, und ob die Rahmenbedingungen, vor allem auch die finanziellen, stimmen. Hat man sich dafür entschieden, sollte man sich kompetente Partner suchen, denn die benötigt man dringend, um solch eine Aufgabe zu realisieren, zumindest, wenn es sich um einen Kunstnachlass höherer Größenordnung handelt.

  • Danke für das Gespräch.

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